Flüchtlingshelfereinsatz Dez. 15 & Jan. 16 (Teil 1)

Wie Blick am Abend mit einem Zeitungsbericht über mein Projekt berichtete, ging ich über die Feiertage ein viertes Mal in einen Flüchtlingshelfereinsatz. Im Vorfeld habe ich mir natürlich viele Gedanken gemacht. Auf ein leckeres Weihnachtsfondue oder ein Raclette zu verzichten ist nicht ganz einfach 😉

Am Freitag 25 Dezember kommen Andy (mein Kollege der Rettungssanitäter) und ich in Giessen an. Danach geht es ins Hotel, wo wir uns für den Einsatz aufrüsten.

Die neuen Einsatzkleider bringt manch Rettungsdienstler ins schwärmen.

Nun ist es 20Uhr und wir beginnen an diesem kühlen Weihnachtsabend mit der ersten Schicht. Mindestens 24 Stunden werden wir für erneut mehrere Tausend Flüchtlinge Ansprechpartner sein für alle medizinischen Vorfälle….

Durch das kalte Wetter warten auch jetzt wieder Dutzende Menschen mit Grippesymptomen, Erkältung und starkem Husten darauf von uns medizinisch untersucht und versorgt zu werden. Doch da gibt es leider einen Haken.
Ohne ärztliche Anweisung dürfen wir keine Medikamente ausgeben.

Leider denken viele Eltern auch, dass “viel warmen Tee trinken, warm einpacken, viel schlafen” ein Witz von uns ist. Zumindest lernte dies die Security als Standardausspruch beim Übersetzen. Somit zeigt sich wieder, dass viele fast ausschließlich nur an Medikamente glauben.
Gerade an Feiertagen wo in der Einrichtung die Ärzte Feiertage zuhause verbringen und auch die Kliniken in der Umgebung weniger Personal zur Verfügung stellen in Notaufnahmen und co. stellt dies immer wieder eine große Herausforderung dar.
Unsere Schicht beginnt mit einem wirklich sehr skurrilen Patienten….
Folgendes: Ein Flüchtling war in seinem Zimmer, als die Sicherheitsbeamten vom Gelände an die Tür geklopft haben. Erschrocken setzte er sich vom Bett schnell auf und knallt mit dem Kopf gleich 2-mal gegen eine Ecke des Fensters, welches gerade neben dem Bett geöffnet war.

So zog er sich 2 große Platzwunden an seinem Kopf zu, welche stark bluteten.
Sein Bruder im gleichen Zimmer kam dann auf die Idee ein Päckchen Tabak zu öffnen und eine große Hand von diesem über die Wunde zu streuen, um die Blutung zu stillen. Das hat so weit auch geklappt.
Als er nun zu uns kam, war jedoch leider der Tabak durch das Blut schon so eingezogen, dass es sich zum großen Teil stark verhärtet hat. Da wir innere Verletzungen nicht ausschließen konnten, gar einen Schädelbruch, kam er in das Krankenhaus.

Diverse Grippe und Erkältungspatienten folgten. Wir mussten leider die meisten abwimmeln mit dem Satz: “I´m sorry, her is no Doctor here for medicine. Monday Morning is a Doctor here”. Uns waren die Hände gebunden, da wir aufgrund der Gesetzeslage keine Medikamente ausgeben durften ohne die Anwesenheit eines Arztes.

Viele Kinder kamen mit Fieber welche wir nach kurzem Check in das Krankenhaus oder zum ärztlichen Bereitschaftsdienst zugeführt haben.

Die Nacht bescherte uns ein paar Einsätze in der Erstaufnahmeeinrichtung und weitere Kinder die aufgrund von Fieber (38.5-40.5°C) ins Krankenhaus kamen.

Am kommenden Tage ging es so auch weiter.

Unser Weihnachtsupgrade 2015

Unser Weihnachtsupgrade 2015

Aufgrund unseres Weihnachtsupgrades konnten wir die kleinen Menschen bei der Untersuchung kurz ablenken 🙂

Um ca. 2 Uhr nachts klingelt das Einsatztelefon mit dem Einsatzbefehl: Einer älteren Dame auf dem Camp ginge es schlecht. Sofort rückten wir aus und wurden vom Sicherheitsdienst gebeten in eine Wohnung zur Patientin zu gehen, die sich wohl im 3. ten Stock befand.

Dort angekommen fanden wir eine Patientin (Flüchtling) vor, laut eigenen Angaben war sie über 95 Jahre alt.

Sie ist mit ihrer Familie (welche ebenfalls den Altersdurchschnitt bei Ü60 hatte) gerade aus dem Bus gestiegen, welcher sie wohl direkt von der Grenze in die Einrichtung gebracht hat, und sei dann auf dem Weg in s Haus bewusstlos worden. Nach wenigen Minuten war sie wieder bei Bewusstsein und lief in den 3 Stock um sich schlafen zu legen. Ihr Blutdruck war sehr hoch und trotzdem bewerteten wir ihren Allgemeinzustand als Sehr gut obwohl sie nicht mehr die jüngste war. Aufgrund des Sturzes und des hohen Alters mussten wir zur Vorsicht einen Rettungswagen alarmieren, welche sie für eine Überprüfung in das Krankenhaus gebracht hat:

Sicher ist sicher!

 

Hier weiter für den 2.ten Teil! —> Teil 2 lesen!

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