Flüchtlingshelfereinsatz Dez. 15 & Jan. 16 (Teil 2)

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Flüchtlingshelfereinsatz Dez. 15 & Jan. 16 (Teil 2)

Category : Flüchtlinge , Refugees

Manche Einsätze gaben uns jedoch bei der Alarmierung folgenden Gedanken:

Nach dieser mehrtägigen Schicht konnten wir uns für kurze Zeit einmal im Hotel erholen und gönnten uns ein leckeres Abendessen in einem mexikanischen Restaurant in der Innenstadt von Giessen.

Am nächsten Tag ging es wieder los und auch die Ärzte waren wieder vor Ort. Dementsprechend kamen natürlich auch mehr Patienten. Weit über 100 wurden allein in der Tagschicht untersucht.

Neben der medizinischen Untersuchung hatte ich Zeit ein paar Junge Erwachsene aus Albanien kennenzulernen.

Einer davon war Wirtschaftsstudent in Albanien und darf wahrscheinlich schon bald in Deutschland am Unterricht teilnehmen, um das Studium dann abschließen zu können.

Dem anderen habe ich in einer halben Stunde versucht beizubringen wie wichtig es für ihn sein wird Deutsch zu lernen und habe ihm viele Fragen über Deutschland, Kultur und Gesetze beantwortet, die er an mich gewandt hat.

Er zeigte mir stolz seine Fotos von einer Schweizer Baustelle, wo er einmal als Gipser in Zürich tätig war.

Man sah im förmlich an, wie gerne er hier arbeiten würde, um das Geld selber zu verdienen. Durch die Gesetzeslage geht das aber leider nicht…

Ich führte ein tolles Gespräch mit den Jungs und war überrascht das einzelne besser Deutsch konnten, wie manch Migrant welcher schon ein Jahrzehnt in Deutschland oder hier in der Schweiz wohnt.

Ich drücke den Jungs die Daumen das sie in Deutschland starten können denn wieso sollen Menschen die sich solch grossartig integrieren nicht auch in Deutschland leben können wie das Migranten machen?

Good Luck!

Nun etwas anderes…

Diese Einsatzwoche habe ich persönlich als “großartig” empfunden, ab dem Moment, wo mir der Arzt, mit Vornamen Marius aus einem nahe gelegenen Uniklinikum über den Weg lief.

Er war weder in der Erstaufnahmeeinrichtung angestellt noch hatte er eine Verbindung zu den Johannitern.
Folgendes ist passiert:

Ein Flüchtling ist am Sonntagabend in einem Zelt kollabiert und wir eilten mit zwei Rettungssanitätern und mir als First Responder zum Einsatzort. Nach gründlicher Abklärung wurde ein Rettungswagen alarmiert, welcher den Flüchtling stationär in ein Uniklinikum brachte.

Nach einpaar Tagen kam Marius (ein Arzt des nahe gelegenen Uniklinikums) mit dem Flüchtling in seiner Freizeit nach der Arbeit in die Flüchtlingseinrichtung und dies aus folgendem Grunde:

Der Flüchtling, welcher kollabiert war, hat seine Tasche mit Inhalt wie dem Handy und dem Portemonnaie und sämtlichen Ausweisdokumenten im Camp zurückgelassen, als er in das Krankenhaus kam.

Sofort gingen wir zu dritt auf die Suche und merkten nach einem 40-minütigen Marathon auf dem Camp, das die Situation aussichtslos war.

Wahrscheinlich wurde die Tasche samt Inhalt geklaut. Als dies dann auch der anwesende Flüchtling begriff, fing er an zu weinen. Auf seinem Handy waren sämtliche Erinnerungen an Verwandten und Freunden sowie Kontakte abgespeichert.

Auch für mich ein emotionaler Moment.

Nun, der Flüchtling/Patient und Marius stiegen in ein Taxi zurück in die Uniklinik, da sein Aufenthalt im Klinikum immer noch andauerte.

Ca. 2 Stunden später erhielt ich die Nachricht von Marius das sie zusammen aus der Klinik seine Frau, von welcher er im Krieg bei Kämpfen getrennt wurde, über diverse Umwege erreichen konnten. Zudem konnte auch gleich noch Kontakt zum Bruder hergestellt werden, welcher wohl in Aachen untergekommen ist.

Ende gut, alles gut!

Dank diesen vielen Eindrücken und Erlebnissen werde ich auch künftig weiter Einsätze leisten und bin gespannt, was noch so alles auf mich zukommen wird.

Danke auch meinem Einsatzpartner Andy für die tolle Zeit in diesem weiteren Einsatz!


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Pascal Rey

Pascal Rey 20 Jahre alt und aus Basel-Stadt

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