Flüchtlingshelfereinsatz Nov. 15

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Flüchtlingshelfereinsatz Nov. 15

Category : Flüchtlinge , Refugees

Montag 9. November, 18 Uhr. Es ist ungewohnt dunkel.

Gerade komme ich am Bahnhof Giessen (Bundesland Hessen in Deutschland) an. Kurzfristig habe ich entschlossen Flüchtlingshelfereinsatz Nr. 3 durchzuführen.

Von einem Fahrer der Johanniter Unfall Hilfe werde ich abgeholt und direkt vom Bahnhof in die Erstaufnahme Einrichtung gebracht, wo ein Container mit einem Bett drin für mich bereit steht.

Dort angekommen sehe ich den Trubel der Kollegen in der medizinischen Station und merke spätestens jetzt, dass es wieder harte Tage sein werden. Vieles ist neu und seit meinem letztem und erstem Besuch anfangs Oktober hat sich viel verändert.

Die ärztliche Sprechstunde wurde von 08Uhr morgens bis 23Uhr Abends ausgeweitet.

Eine neue Ärztin ist im Team.

Irgendwie empfinde ich eine komische Stimmung, denke mir aber nichts dabei.

Nun, ich lerne die Ärztin, Frau J. kennen welche wohl frisch nach Ihrem Abschluss in der HEAE arbeitet. Man merkt Ihr sichtlich an das Ihr die Arbeit trotz des grossen Stress sehr viel Spass bereitet.

Als ich mein Koffer ausgepackt habe und alles eingerichtet habe, komme ich mit den anderen Sanitätern, welche gerade im Dienst sind, und der Ärztin zusammen. Wir tauschen uns ein wenig aus. Stephen berichtet mir das es wieder öfters Schlägereien gäbe und sarkastisch meinte ich: Mensch, jetzt hoffe ich schon, wenn ich nach 400 KM Anreise hier bin, dass es auch anständig Arbeit für mich gibt 😉

Hätte ich das bloss nicht gesagt!

Tag 1 / 08Uhr morgens in der HEAE (Hessische Erstaufnahmeeinrichtung) Giessen welche zurzeit über 6’000 Flüchtlinge beherbergte beginnt meine Schicht.

Kurz im Waschraum neben dem Container frisch gemacht und anschliessend die Arbeit aufgenommen. Flüchtlinge welche beispielsweise durch die kühlen Temperaturen und die noch sommerliche Kleidung wie z.b. offene Flip-Flops ohne Socken und kurze Hosen sich erkälten und/oder Fieber kriegen.

 

Wie schon im ersten Einsatzbericht vom Einsatz in Giessen im Oktober 2015 kommen auch diesmal wieder viele Flüchtlinge mit dem Wort: “Antibiotik” und zeigen dabei auf Ihre Lymphen. Bei der Untersuchung waren diese aber meistens noch nicht einmal angeschwollen.

 

Dazu hat mir der eine Dolmetscher auf unserer Medical Station eine gute Erklärung auf meine Frage: “Wieso möchten Flüchtlinge immer so schnell Medikamente?” geliefert.

Sein Beispiel war Albanien…

Dort soll es wohl so sein, dass das Gesundheitssystem eine Art Rendez-vous-System beinhaltet zwischen Apotheke und der Klinik. Wenn ein Patient in die Klinik geht, wird ihm dort meistens, egal wie einfach eigentlich die Symptome zu beheben sind, meist viel Medikamente verschrieben, die er dann in der Apotheke (welche mit der Klinik zusammen arbeitet) kaufen kann. Somit ist dies ein funktionierender Wirtschaftskreislauf welcher das Geld im inneren deren zwei Instrumenten Klinik und Apotheke einbehält.

Somit profitieren Pharma, Krankenhäuser sowie auch die Apotheke in einem System bei welchem Patienten eher mit Medikamenten vollgepumpt werden und dies je nach Medikament und deren Nebenwirkungen negativ auf den Körper auswirken kann.

 

Kaum waren die ersten Patienten behandelt hört man ausserhalb laute Schreie und der anwesende Sicherheitsdienst brüllt nahezu in die Funkgeräte das es wohl gerade eine Massenschlägerei gäbe. Kaum schauen wir aus dem Behandlungsraum hinaus, sehen wir dutzende Menschen mit Eisenstangen auf sich einschlagen.

Mehrere Sicherheitsmitarbeiter sehe ich runter Rennen und auch mir steigt die Nervosität deutlich an.

Es geht nur wenige Sekunden, bis mindestens 7 Polizeifahrzeuge mit Blaulicht und hohem Tempo am Einsatzort eintreffen.

Mit einer Distanz von ca 100 Metern verfolgen wir aufgeregt den Verlauf und teilweise versucht man sich stur wieder auf die Arbeit zu konzentrieren.

Nach ca. 30 Minuten kommen die ersten Verletzen. Ein Sicherheitsmitarbeiter hat wohl einen starken Schlag gegen den Brustkorb und gegen den Kopf erlitten. Nach diversen Abklärungen und Erstmassnahmen empfehlen wir Ihn in s Krankenhaus zu schicken.

Die Ersten Flüchtlinge welche in die Schlägerei verwickelt waren, kommen nun mit Kopfplatzwunden und kaputten Shirts zur medizinischen Station.

Wer Opfer oder Täter ist, hat uns während diesen Massnahmen nicht zu interessieren. Auch die Polizei kommt hinzu und befragt einzelne direkt in den Behandlungsräumen. Abgeschirmt vom Trubel der draussen immer noch anhält.

Das Bild eines Sitzprotests auf der Zugangsstrasse zum Ausgang der Erstaufnahmeeintrichtung welcher sich anschliessend der Massenschlägerei bildet damit keine Fahrzeuge weg können bleibt mir noch immer im Kopf. Busse, voll mit Flüchtlingen welche einen Transfer erhielten und somit sich weiter in Deutschland aufhalten durften standen vor vielen Flüchtlingen welche eine ungewisse Zukunft in Deutschland hatten. Man sah von weitem wie nicht nur ausserhalb des Busses die Menschen nervös wurden, sondern auch im inneren des busses sah ich Menschen aufgeregt hin und her gehen, mit Ihren Händen fuchteln etc. Nun dachte ich mir… was wenn dem Busfahrer die Situation zu viel wird und er einfach auf das Gaspedal drückt? Aussen am Bus schlugen die Flüchtlinge mit Ihren Handflächen gegen den Bus und ein Buschauffeur könnte hierbei vielleicht die Nerven verlieren?

Bericht der Lokalzeitung in Giessen (Text anklicken)

Zum Glück ist all das nicht geschehen. Jedoch gab es auch am Abend erneut an zwei Orten gleichzeitig Massenschlägereien und ein grosses Polizeiaufgebot war auf Platz.

Gegen Abend ging plötzlich ein Feuermelder in einem Haus und wir bekamen Zeitgleich einen Noteinsatz für das gleiche Haus wo wohl Personen mit Pfefferspray herumgesprüht haben…

Feuerwehr, Polizei, Ambulanzen und der örtliche Sicherheitsdienst versuchen irgendwie das Haus zu evakuieren und nebenbei die Täter zu stellen, die verantwortlich für den Einsatz waren. Nun sind etwa 50 Einsatzkräfte vor und im Haus und kurze Zeit später steht fest: Fälschlicher Brandmeldealarm welcher wohl durch das Pfefferspray ausgelöst wurde. Täter sind wohl auch weg.

Da es durch diese Aktion keine Verletzen gab, hiess es für uns wieder Rückzug.

Nun, die Nächte in der Einrichtung waren sehr unruhig. Immer wieder kamen auch in der Nacht Einsätze bei denen wir auf dem Gelände ausrücken mussten.

Ein sehr spezieller Einsatz war in der letzten Schicht als das Einsatztelefon klingelte und die Leitstelle anrief. Sie meldete einen Einsatz an der Rö******strasse 6* und fragte mich ob ich wisse ob das noch zu unserem Gelände gehöre. Ich wusste selbst darauf keine Antwort. Es hat wohl ein Mann mit schlechten Deutsch und Englischkentnissen den Notruf gewählt und die Adresse genannt. Nun hiess es für mich und meinen Kollegen…. Schuhe an, Motor starten und fahren!

Am Einsatzort angekommen stellten wir fest das dies wohl kein Gelände der Flüchtlingseinrichtung ist für welches wir zuständig waren. Trotzdem habe ich dem Disponenten der Leistelle versprochen nachzusehen und dann gegebenfalles die Kollegen vom Rettungsdienst zu alarmieren.

 

Ein Mann sah uns und winkte hektisch herum. Notfallrucksack packen und dann hoch in den 1. Stock. Dort liegt ein Mann am Boden. Glücklicherweise wieder ansprechbar. Er klagt über Herzschmerzen und er fühlt sich garnicht gut. Während der Kollege die Vitalfunktionen Puls, Sauerstoffsättigung und Blutdruck misst, lasse ich mir von der Leitstelle einen Rettungswagen alarmieren.

Der Fall ist glücklicherweise gut ausgegangen.

Am nächsten Tag (Mittwoch) habe ich glücklicherweise Dienstfrei und versuche den Schlaf der Nacht ein wenig nachzuholen.

Anschliessend nimmt mich Rettungssanitäter Stephen Wirth am Nachmittag mit in die Stadt Giessen und zeigt mir die schönsten und auch spannendsten Orte.

Ein Boxenstopp in einem Supermarkt für Lebensmittel muss aber sein und deshalb gehe ich mir Verpflegung für die kommenden Tage holen. Einpaar Nudel/Gemüseaufläufe für die Mikrowelle und Frikadellen da für s Essen meist nur wenig Zeit übrig sein wird.

Am Abend unterstütze ich dann Einsatzkräfte der Johanniter bei einem Sanitätseinsatz in der Rittalarena in Wetzlar (eine Ortschaft nähe Giessen). Zu fünft stehen wir für die medizinische Erstversorgung vor Ort und ich erlebe tolle und vorallem humorvolle Persönlichkeiten im Team.

Der Event: Zauberkünstler Hans Klok. Der niederländische Zauberkünstler tritt für mehrere Hundert Menschen in der Rittalarena auf und liefert (so meine ich) eine grossartige Show ab.

 

Nach dem Einsatz geht es nachhause. Stephen bringt mich mit dem Einsatzfahrzeug nachhause zur Erstaufnahme Einrichtung.

Gerade hören wir über Funk das wohl ein Rettungswagen in der Erstaufnahmeeinrichtung benötigt wird. Natürlich bieten wir uns als First Responderunterstützung der Leitstelle an. Da der Disponent im Moment nicht verstand, warum wir sowieso zum HEAE Team gehören, sollten wir normal ohne Blaulichtfreigabe weiter fahren.

Das machen wir dann auch so.

Beim Eintreffen sehen wir gerade den Rettungswagen vor uns zur Einsatzstelle fahren. Da deshalb auch das First Responderteam auf dem Gelände besetzt ist, warten wir bei der Medical Station auf das Team.

Doch keine Minute da, kommt ein Mann zu uns und bittet uns aufgeregt um Hilfe.

Mit gebrochenem Englisch versucht er uns zu erklären das wohl seine Frau gestürzt sei und sich nicht mehr bewegen könne. Ohne überlegen übernehmen wir den Einsatz da das andere Team ja noch besetzt ist. Angekommen am Einsatzort stellt sich dann aber heraus das es wohl doch kein wirklicher Notfall ist. Sie möchte sich nicht behandeln lassen.

Nach einem kompletten Bodycheck (Körperabtastung) gibt es keine (MDS)Anzeichen für eine bedrohliche Kopf- oder Wirbelsäulenverletzung.

 

Nach dem Einsatz heisst es für mich Schlafen. Denn schon am nächsten Morgen beginnt meine zweite 24Stunden Schicht.

Diesmal mit dem Kollegen Marko, welcher als Rettungshelfer bei den Johannitern arbeitet. Den Humor von Ihm werde ich so schnell nicht vergessen. Ein klasse Typ! Gegen Abend wird er auf seinem Pager alarmiert und da ich im Nebenzimmer bin höre ich dies und warte im Gang schon auf Ihn. Da war er mehr als nur überrascht und ich meinte nur: Wir Schweizer sind halt die Schnelleren, wenns drauf an kommt 😉

Einsatzstichwort: Internistischer Notfall. Ein Rettungwagen wurde parallel zu uns ebenfalls alarmiert. Als wir ankamen bekamen wir einen jungen Herrn zu Gesicht, welcher wohl zusammengebrochen ist. Er trinkt und isst wenig bis nichts, erzählt er uns und zudem hätte er starke Schmerzen wegen einer Beinverletzung. Wenige Sekunden nach unserem Eintreffen erschien dann auch schon der Rettungswagen. Kurze Übergabe und dann heisst es zurück auf die Medizinische Station.

 

Bei jedem Einsatz, den ich auf dem Gelände leiste, denke ich im Nachhinein “Glück gehabt”!

Was ist wenn ich mich einmal an einer Krankheit eines Flüchtlings anstecke? Da ich nicht weiss das er diese hat weil er noch nicht registriert und somit auch noch nicht in unserem System verzeichnet ist? Bei jedem Einsatz mit Schutzanzug und Mundschutz aufzutreten würde doch ein komisches Gefühl vermitteln und je nach dem auch Panik verbreiten. Aber doch kommt mir manchmal der Gedanke wenn wir einen Patienten mit Verdacht auf Tuberkulose oder Meningitis mit dem Krankenwagen in die Klinik bringen lassen. Wie weit soll ich mich persönlich schützen und schauen das mir ja nichts im Einsatz passieren kann? Fragen über Fragen und trotzdem gilt für mich immer: Handschuhe an, bei jedem Einsatz!

Schon von meiner Ausbildung zum Samariter und als Tatortreiniger habe ich die Regel mit den Handschuhen IMMER angewendet, denn hier sollte man nicht sparen.

Brauchts jedoch auch noch den Mundschutz und den Schutzanzug bei der ersten Hilfe?

In meinem ersten Bericht der HEAE habe ich davon berichtet, dass es Flüchtlinge gibt, welche Krankheiten aus Heimatländern mitbringen, die wir in Europa schon längst wieder vergessen haben. Nun, dafür gibt es glücklicherweise in vielen Flüchtlingseinrichtungen Isolationsstationen. Bis Flüchtlinge jedoch dorthin kommen, müssen Sie registriert und dementsprechend von einem Arzt auf Ihre Gesundheit mit einem Standardprocedere untersucht werden. Das kann aufgrund der hohen Flüchtlingsanzahl dauern, was für mich absolut verständlich ist. Aber eben… Fragen über fragen…

Dass die neue Ärztin auch Humor bewies, merkte ich spätestens als ich mir einen Spass bei Ihr erlaubte. Nach ein dutzend Patienten konnte Maria endlich einmal kurz durchatmen und ruhte sich kurz am Tisch aus. Plötzlich lief ich rein mit ernstem Gesicht sagte ich: Maria, wir brauchen dich… wir reanimieren (Wiederbeleben) gerade jemanden!

Zwar blieb sie ruhig und kam sofort mit aber man sah an Ihren Gesichtszügen, dass sie angespannt war. Auf halber Strecke fing ich an zu lachen und sie merkte sofort das ich mir nur einen Spass erlaubt habe. “Paaaaascaaaaal” schrieh sie und rannte auf mich zu, ich erhöhte ebenfalls mein Tempo Richtung Ausgang und lief lachend davon 🙂 Nun, Spass im Team muss sein denn die Situation vor Ort ist teilweise auch für uns HelferInnen sehr belastend. Nicht nur die vielen Schichten sondern auch die vielen Schicksale.

 

Eines dieser Schicksale war z.b. ein Syrer welcher etwa so alt wie ich war. Sehr angeschlagen und auch einwenig dünnhäutig, wie ich schon von Anfang an gemerkt habe. Er sprach von Halsschmerzen und verlangte von mir umgehend Paracetamol. Seit Wochen hat er diese Schmerzen und kann nicht schlafen. Wohl ist er erst vor einer halben Stunde in der Aufnahmeeinrichtung angekommen und wurde gleich hier hoch geschickt. Als ich Ihm dann sagen musste, dass leider keine Ärztin mehr da ist, welche ihm die Medikamente geben könnte, brach er in Tränen aus. Nicht aus Enttäuschung, dass er keine Medikamente bekam, sondern weil er einfach am Ende war. Seine Eltern wurden vor seinen Augen von Kriegern umgebracht und die letzte Erinnerung ist ein Foto auf seinem Handy, welches Ihm auf der Flucht geraubt wurde. Ich nahm ihn kurz in den Arm und gleich brach er noch mehr in Tränen aus denn man merkte das sich bei ihm einiges angestaut hatte.

Anschliessend gingen wir kurz auf dem Camp spazieren und ich erklärte Ihm die Situation wegen den Medikamenten in Deutschland. Er weinte nochmals und gab von sich das Ihm die Schlepper versprochen hätten, er bekäme für jedes Problem im Deutschland die besten Ärzte welche immer für Ihn zur Verfügung stehen. Somit wurde er natürlich sehr enttäuscht als er diese Dienstleistungen nicht erfahren durfte.

Zum Schluss übergab ich Ihn dem Sicherheitsdienst, welcher Ihn zurück in sein neues und provisorisches Zuhause brachte.

War es richtig das ich Ihn umarmt und ihm Trost gespendet habe? Darf ich das als Helfer? War es richtig Ihm meine Schulter zu bieten? Meine Antwort die ich auf all diese Fragen fand welche ich mir selber gestellt habe: Ich bin auch nur ein Mensch! Ab und zu muss ich etwas nicht erklären oder kommentieren, sondern einfach nur zuhören und ertragen.

 

Am Freitag durfte ich mit Ramona, Angestellte in der Service Zentrale der Johanniter mit zu einem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Langgöns. Diese hatte die Ehre, die Streckenabsicherung für Kinder am St. Martinsumzug durchzuführen. Mit Blaulicht ganz vorne in einem Feuerwehrauto war ein tolles Erlebnis. Die Kameradschaft und die Feuerwehrmänner/Frauen haben mich sehr herzlich aufgenommen. Schön war auch das die Feuerwehr viele junge Menschen in der Einsatzabteilung zählen darf, was ich sehr selten in Feuerwehren sehe…

Der Abschluss des Events feierten auch wir mit warmen Glühwein und einer Wurst.

Anschliessend ging es zurück in die HEAE, wo ich mich dann zum Team vor Ort dazugesellte.

In der Nacht auf Samstag gab es duzende Einsätze, welche ich mit Stephen zusammen gefahren bin.

Kurz vor 5Uhr Morgens erhält Stephen einen Einsatz mit dem Hinweis: Eine Dame hat Fieber.

Nun, wohl oder übel fahren wir auch zu diesem “Notfall” raus und stellen dann bei der Patientin eine Temperatur unter 38° fest. Nach diversen anderen Abklärungen empfehlen wir ihr am Montag früh zum Arzt zu kommen.

Danach lege ich mich für 2 Stunden hin da um 8Uhr meine eigentliche 24Stundenschicht beginnt.

Begonnen hat die Schicht sehr ruhig deshalb konnte ich mich noch einwenig ausruhen. Am Nachmittag und Abend kamen dann einzelne Einsätze hinzu wie Knochenbrüche, Schwächeanfälle und Fieber.

Die eigentliche Arbeit kam gegen Abend, als wohl eine Schlägerei stattfand. Der Sicherheitsdienst übergab mir einen Betrunken welcher wohl bei der Streitigkeit einen Schlag abbekommen hatte. Kaum war er vor der medizinischen Station, wurde er sackte er zusammen und wurde bewusstlos. Nebst dem vielen Blut im Gesicht und dem starken Alkoholgeruch aus dem Mund musste es nun schnell gehen… Rettungswagen alarmieren! Kaum habe ich den Notruf abgesetzt, kamen 3 Streifenwagen der Polizei und Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes mit mehreren Tatverdächtigen, welche anschliessend durchsucht und befragt wurden. Neben diesem Trubel war da noch ein bewusstloser Patient und ich.

Als der Rettungdienst eintraf, gab es eine Übergabe für den Transport ins Krankenhaus.

Auch anschliessend gab es immer wieder Folgeeinsätze und die Arbeit ging uns nicht wirklich aus bis zum kommenden Sonntagmorgen.

Das war dann auch der letzte Tag, welcher ich auf dem Gelände der HEAE verbrachte da es am Abend zurück nach Basel ging.

Zum Schluss möchte ich euch jedoch nicht die schöne Geschichte zweier Albaner in meinem Alter erzählen…

Die beiden jungen Erwachsenen habe ich während meiner Woche kennengelernt. Sie konnten schon verwunderlich gut Deutsch sprechen und sind gerade mit bestem Wege dabei eine Ausbildung in Deutschland als Logistiker machen zu können. Die beiden haben sich wirklich angestrengt und dies zeigt mir dass, sofern der Wille da ist, jeder Fuss fassen kann.

Ich hoffe für die beiden nur das beste.

Zwar war es eine sehr anstrengende und belastende Woche, jedoch hat es wieder einmal richtig Spass gemacht.

Es ist eine Lebenserfahrung, die ich nie vergessen werde.

Deshalb werde ich über die kommenden Festtage wieder in eine Flüchtlingseinrichtung gehen und mich dort engagieren.

DANKE an die Johanniter Unfallhilfe e. V und die Menschen mit denen ich die Tage verbringen durfte 🙂

 

 


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Pascal Rey

Pascal Rey 20 Jahre alt und aus Basel-Stadt

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